Artenvielfalt

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Artenvielfalt und Biodiversität
Die Artenvielfalt ist ein Teilaspekt der biologischen Vielfalt (Biodiversität). Unter Biodiversität versteht man außerdem die genetische Vielfalt innerhalb und zwischen Arten sowie die Vielfalt der Ökosysteme und Landschaftsregionen. Ferner zählt hierzu auch die Vielfalt an Funktionen, die Arten innerhalb der Ökosysteme füreinander erfüllen und über die sie in Wechselwirkung stehen.
Die heutige biologische Vielfalt hat sich allmählich im Laufe der Erdgeschichte entwickelt. Sie hat zu artenreichen und hochkomplexen Ökosystemen auf dem Festland und in den Weltmeeren geführt. Sterben Arten aus, gibt es Verschiebungen oder auch Ausfälle in den Funktionen innerhalb des jeweiligen Systems. Vielfach ist es nicht möglich, für eine bestimmte Art vorherzusehen, ob ihr Verschwinden große oder kleine Veränderungen bewirken würde. Ein möglichst umfassender Schutz der gesamten Artenvielfalt ist daher ein Gebot im Sinne einer Vorsorgemaßnahme für die intakte und lebenswerte Umwelt. Er ist zugleich eine Verpflichtung gegenüber unseren eigenen Nachfolgegenerationen.

Wie misst man Artenvielfalt?
Umgangssprachlich versteht man unter Artenvielfalt meist vereinfacht die Gesamtzahl an Arten, die in einem Gebiet vorkommen. Doch auch die relative Zahl ist von Bedeutung und wird mathematisch erfasst: Wenn in einer Region gerade eine Art außerordentlich häufig ist, die Mehrzahl der übrigen Arten aber nur noch vereinzelt vorkommen, bezeichnet man die Artenvielfalt als kleiner, als wenn alle Arten in etwa gleicher Häufigkeit auftreten. Artenvielfalt ist demzufolge eine statistische Größe, die sich aus der Informationstheorie ableitet und die relative Häufigkeit der Arten berücksichtigt, also die Wahrscheinlichkeit des Antreffens einer bestimmten Art.
Aus: Bundeszentrale für politische Bildung

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Höchste Zeit zum Handeln
Wissenschaftler warnen vor gravierenden Folgen des Insektensterbens
Das Ausmaß des weltweiten Insektensterbens ist nach Einschätzung von Wissenschaftlern weitaus größer als bislang angenommen. Bis zu einer halben Million Insektenarten seien seit Beginn der Industrialisierung bereits durch Lebensraumzerstörung, den Einsatz immer größerer Mengen Pestizide in der Landwirtschaft und andere menschliche Einflüsse ausgestorben, schreibt ein internationales Wissenschaftlerteam nach Auswertung Dutzender Forschungsarbeiten aus allen Weltregionen im Fachjournal Biological Conservation. Der Trend halte ungebrochen an, warnen die 25 auf ihrem Fachgebiet führenden Insektenforscher aus allen Erdteilen in ihrer „Warnung an die Menschheit“ überschriebenen Analyse. „Die Zahl der bedrohten und bereits ausgestorbenen Arten wird in einem bestürzenden Ausmaß unterschätzt“, heißt es in der Metaanalyse zur Lage von Schmetterlingen, Bienen, Ameisen, Spinnen, Käfern und weiteren Insektengruppen.
Die Forscher haben für ihre Bestandsaufnahme eine Art Gesamtschau aller verfügbaren Einzeluntersuchungen zu den verschiedensten Insektengruppen der vergangenen Jahrzehnte vorgenommen. Sie verweisen auf neuere Studien, die zeigten, dass der 2017 zuerst von Krefelder Insektenforschern festgestellte Verlust von 75 Prozent der Insektenmasse in Teilen Deutschlands kein Einzelfall sei, sondern ähnlich auch in anderen Teilen Europas und weiteren Weltregionen festgestellt werde. Eine globale Analyse der Insektenvorkommen im vergangenen Jahr habe einen Rückgang um 45 Prozent bei zwei Dritteln der untersuchten Arten belegt. Rückgänge in dieser Dimension seien stets die Vorläufer des Aussterbens von Arten, warnen die Forscher. Auch der Weltbiodiversitätsrat kommt zu dem Ergebnis, dass die Hälfte der rund eine Million in den kommenden Jahrzehnten vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten Insekten sind.
Das genaue Ausmaß des Insektenschwundes ist auch deshalb nur schwer zu ermitteln, weil anders als etwa bei Vögeln oder Säugetieren noch vergleichsweise wenig über viele Insektenarten bekannt ist. Nur jede fünfte der geschätzt weltweit 5,5 Millionen Insektenspezies trägt bisher überhaupt einen Namen. Deshalb schätzen die Forscher auch die in der internationalen Roten Liste genannte Zahl von 8400 in ihrer Existenz bedrohten Insektenarten als viel zu niedrig ein. Diese könne sich zwangsläufig nur auf schon bekannte und untersuchte Arten beziehen, dabei seien auch die unbekannten Arten den gleichen Problemen ausgesetzt wie ihre dem Menschen bereits bekannten Verwandten: Lebensraumzerstörung, Klimawandel und Intensivlandwirtschaft an erster Stelle. „Wir wissen noch lange nicht alles über Insekten, aber wir haben genügend Erkenntnisse, um zu wissen, dass es höchste Zeit zum Handeln ist“, sagt Studien-Mitautor Thomas Fartmann. „Auch in vergleichsweise gut erforschten Weltregionen wie in Europa könnten weitere Arten aussterben, bevor wir überhaupt mitgekriegt haben, dass es sie gibt“, sagt der Entomologe von der Universität Osnabrück.
Sollte der gegenwärtige Negativtrend ungebrochen anhalten, sehen die Autoren gravierende Auswirkungen für die globalen Ökosysteme und die Menschheit. „Große Teile des Lebensnetzwerks auf der Erde und einzigartige ökologische Funktionen“, stünden auf dem Spiel. Die Wissenschaftler verweisen auf „Güter und Dienstleistungen“ der kleinen Krabbel- oder Flugtiere wie Bestäubung, die für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit wichtige Zersetzung und die Gewinnung neuer Medikamente mithilfe von Insekten. Einige dieser als „Ökosystemdienstleistungen“ bekannten Beiträge von Insekten zum Funktionieren des Lebens auf der Erde lassen sich sogar quantifizieren, etwa die für die weltweite Lebensmittelproduktion wichtige Bestäubungsleistung. Fast 90 Prozent aller Blütenpflanzen der Erde und Dreiviertel aller wichtigen Nutzpflanzen werden von Insekten bestäubt. Der wirtschaftliche Wert wird auf 200 bis 600 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.
Thomas Krumenacker
Süddeutsche Zeitung 09.03.2020